Vom flachen Norden ins Fichtelgebirge: Warum Elke für Wasserstoff und Zukunft nach Wunsiedel gezogen ist
Von Ostfriesland über Dortmund, Wien und Freiburg bis nach Wunsiedel: Elke Aeikens hat schon an einigen Orten gelebt. Seit Mai 2025 ist das Fichtelgebirge ihr Zuhause. Im Rahmen unserer Reihe „Region der Energiezukunft“ haben wir mit ihr über ihren Weg gesprochen – über Wasserstofftechnologien, eine große WG und darüber, wie man in einer neuen Region ankommt.
Der Grund für ihren Umzug war zunächst ein beruflicher. Geblieben ist sie längst nicht nur wegen ihres Jobs.

Von Ostfriesland nach Oberfranken
Elke Aeikens, von ihren Freunden Elli genannt, kommt ursprünglich aus Leer in Ostfriesland. Flaches Land, weiter Himmel, Wind und Windräder gehörten dort zu ihrem Alltag. Heute sieht es vor ihrer Haustür ziemlich anders aus: Wälder, Berge, Felsen und Seen.
Dass sie einmal im Fichtelgebirge landen würde, war nicht geplant. Elke studierte zunächst Physik in Dortmund und promovierte anschließend in Wien im Bereich Hochenergie-Teilchenphysik. Danach entschied sie sich noch einmal für einen neuen Weg und studierte erneuerbare Energien.
Dabei fand sie das Thema, für das sie bis heute brennt: Wasserstoff.
Warum ausgerechnet Wunsiedel?
Wer beruflich mit Wasserstofftechnologien arbeiten möchte, findet nicht an jeder Ecke die passende Stelle. Bei ihrer Suche stieß Elke auf das UBT Future Energy Lab Wunsiedel – und das machte sie neugierig.
Spannende Zukunftsthemen, ein motiviertes Team und die Möglichkeit, neue Technologien nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern praktisch zu erproben: Genau das suchte sie.
Ganz unbekannt war ihr die Region zumindest indirekt nicht. Ein Freund war bereits ins Fichtelgebirge gezogen und hatte ihr gezeigt, was die Gegend zu bieten hat. Trotzdem war der Umzug für Elke ein Sprung ins Neue.
Heute sagt sie: „Diese Community macht mir total viel Spaß. Ich habe schon viele Tipps bekommen, wo man wandern und hingehen kann.“
Denn angekommen ist sie nicht nur beruflich. Elke lebt inzwischen in einer WG mit neun Menschen. Zum Haus gehört ein großer Garten. Direkt nebenan gibt es eine weitere WG, die Gärten sind miteinander verbunden. Ziemlich viel Gemeinschaft für jemanden, der gerade erst in eine neue Region gezogen ist.
Wasserstoff made im Fichtelgebirge
Im UBT Future Energy Lab Wunsiedel beschäftigt sich Elke mit Wasserstofftechnologien. Gemeinsam mit einem Kollegen arbeitet sie am Aufbau einer Testinfrastruktur im Energiepark Wunsiedel, in der unterschiedliche Technologien unter realen Bedingungen erprobt werden sollen.
Dazu gehören unter anderem Wärmepumpen, Elektrolyseure, Brennstoffzellen und thermische Energiespeicher. Im Energiepark befindet sich außerdem Bayerns größter Elektrolyseur. Er produziert Wasserstoff, den das Team für seine Arbeit nutzen kann. Vereinfacht gesagt geht es darum, herauszufinden, wie neue Energietechnologien in der Praxis funktionieren und wie sie sinnvoll miteinander verbunden werden können.
Das Ziel reicht dabei weit über einzelne Versuche hinaus.
Eine Region als Reallabor für die Energiewende
Für Elke steckt in ihrer Arbeit eine große Idee: Energie dort erzeugen, speichern und nutzen, wo sie gebraucht wird. Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien kann beispielsweise genutzt werden, um Wasserstoff herzustellen. Dieser lässt sich speichern und später wieder einsetzen.
Solche Lösungen können künftig dazu beitragen, Regionen unabhängiger und ihre Energieversorgung widerstandsfähiger zu machen.
Wunsiedel bietet dafür besondere Voraussetzungen. Verschiedene Technologien und Akteure kommen hier auf vergleichsweise engem Raum zusammen.
Für Elke ist genau das der Reiz ihrer Arbeit: „Was wir hier im Kleinen machen, ist genau das, was beim Klimawandel im Großen passieren sollte.“
Die Begeisterung begann zwischen Windrädern
Dass Elke einmal in der Energiebranche arbeiten würde, hat seine Wurzeln in ihrer Kindheit. In Ostfriesland gehörten Windkraftanlagen für sie ganz selbstverständlich zur Landschaft. Bereits ihre Schulabschlussarbeit schrieb sie über die „Energiewende mit erneuerbaren Energien“ (Windenergie).
Zunächst führte sie dieser Weg zur Physik. Später rückte das Thema Klimawandel wieder stärker in ihren Fokus und damit die Frage, wie sie ihr Wissen konkret einsetzen kann.
„Ich bin hochmotiviert, wenn ich ein höheres Ziel habe. Und der Klimawandel ist genau so ein Ziel. Ich will da aktiv etwas tun.“
Vor ihrem Wechsel nach Wunsiedel arbeitete Elke am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg im Bereich Elektrolyse. Dort hat sie an Elektrolysezellen geforscht und Testständen aufgebaut. Außerdem gab sie unter anderem Schulungen für Doktoranden zu Wasserstofftechnologien. Diese Schulungen gibt sie bis heute noch in ihrer Freizeit. Dieses ganze Wissen bringt sie nun ins Fichtelgebirge.

Arbeiten, wo Zukunft ausprobiert wird
Am Future Energy Lab schätzt Elke vor allem eines: die Menschen. Das Team beschreibt sie als dynamisch, offen und vielseitig. Weil das Unternehmen vergleichsweise klein ist, bekommt sie Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche der Energiewende. Wasserstoff trifft hier auf Kälte- und Wärmetechnologien, Elektrotechnik und digitale Lösungen. Für Elke ist das ein Umfeld, in dem sie nicht nur forschen, sondern mitgestalten kann.
Und genau darin sieht sie eine Chance für die gesamte Region.
Und wie lebt es sich hier?
Auch abseits der Arbeit hat Elke ihren Platz gefunden. Was sie am Fichtelgebirge besonders mag, lässt sich ziemlich schnell zusammenfassen: Natur.
Wandern, Seen, Wälder und Felsen liegen direkt vor der Haustür. Das Felsenlabyrinth Luisenburg und die Gegend rund um den Fichtelsee gehören zu den Orten, die sie bereits für sich entdeckt hat.
Ihr persönlicher Lieblingsort liegt noch ein Stück weiter oben.
Der Nußhardt.

Felsen, Aussicht, Wald und Ruhe – für Elke ist es einer dieser Orte, an denen man merkt, warum das Leben im Fichtelgebirge anders ist als in einer Großstadt. Und genau das gefällt ihr.
„Hier entsteht gerade etwas Besonderes“
Vor ihrem Umzug wusste Elke nicht genau, was sie im Fichtelgebirge erwarten würde. Inzwischen erlebt sie die Region als offen und hat das Gefühl, willkommen zu sein. Auch #freiraumfichtelgebirge ist ihr mittlerweile ein Begriff. Die FichtelApp hat sie ebenfalls entdeckt und nutzt die Möglichkeiten, ihre neue Heimat kennenzulernen. Dass das Fichtelgebirge selbstbewusst zeigt, was hier passiert, findet sie super.
„Ich finde es cool, wie die Region mehr in den Vordergrund rückt. Dadurch entsteht eine Offenheit, die mich hier ankommen lässt.“

Und was würde sie Menschen sagen, die selbst darüber nachdenken, ins Fichtelgebirge zu ziehen?
„Das Fichtelgebirge ist total offen und bietet gerade für die Zukunft richtig viel. Wer Natur liebt, sollte sowieso herkommen. Und wer beruflich im Bereich erneuerbare Energien etwas bewegen will auch, denn: Hier entsteht gerade etwas Besonderes.“
Manchmal führt der richtige Weg eben ins Fichtelgebirge
Elke ist nicht ins Fichtelgebirge gezogen, weil sie hier schon immer leben wollte. Sie kam wegen einer beruflichen Chance.
Gefunden hat sie einen Ort, an dem Zukunftstechnologien erprobt werden, eine Gemeinschaft, in der sie sich wohlfühlt, und eine Landschaft, die inzwischen ein ziemlich guter Gegenentwurf zum flachen Ostfriesland geworden ist.

Vielleicht ist genau das #freiraumfichtelgebirge: nicht versprechen, dass hier für jeden alles perfekt ist. Sondern zeigen, was möglich wird, wenn Menschen mit neuen Ideen kommen, bleiben und anfangen, ihre Region mitzugestalten.
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