12 Gipfel, 60 Kilometer und ziemlich viel Heimat: Warum Jan Stricker immer wieder ins Fichtelgebirge zurückkommt

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Was passiert, wenn man seine Heimat verlässt und Jahre später feststellt, wie viel sie einem eigentlich bedeutet? Bei Jan Stricker führte der Weg zurück ins Fichtelgebirge irgendwann über schmale Trails, mehr als 2.000 Höhenmeter und eine ziemlich verrückte Idee: die 12-Gipfel-Tour am Stück zu laufen.

Jan Stricker 12 Gipfel Tour
Jan Stricker 12 Gipfel Tour

Jan ist 34, gebürtiger Selber und lebt heute in Regensburg. Dazwischen lagen ein Studium in den Niederlanden und acht Jahre in Hamburg. Weg war das Fichtelgebirge trotzdem nie so richtig. Familie, Freunde und die Landschaft ziehen ihn regelmäßig zurück. Und je länger er weg war, desto stärker wurde offenbar das Bewusstsein dafür, was da eigentlich vor der eigenen Haustür liegt.

„Wenn man in der Region aufgewachsen ist und dann länger weg war, erkennt man erst, was man an der Heimat hat.“

Heute ist Jan nicht nur regelmäßig im Fichtelgebirge unterwegs. Er gestaltet ein kleines Stück dieser Heimat sogar selbst mit. Beruflich arbeitet er als Business Developer in einer User-Experience-Agentur, die unter anderem die FichtelApp umgesetzt hat. Daneben ist er Grafik- und Webdesigner. Und dann wäre da noch ein Projekt, das vermutlich ganz gut zeigt, wie sehr ihn die Region inzwischen wieder gepackt hat: der FichtelUltra. Jan gehört zu den Initiatoren und Hauptorganisatoren des Community-Trailrunning-Events rund um die legendäre 12-Gipfel-Tour im Fichtelgebirge.

Dabei hätte er sich selbst früher wahrscheinlich nicht unbedingt als Ultraläufer vorhergesagt.

Einer, der eigentlich gar keine Sportskanone war

Jan erzählt ziemlich offen, dass Sport für ihn lange nicht selbstverständlich war. Zwar war er in seiner Jugend in verschiedenen Vereinen aktiv, zu den besonders Sportlichen zählte er sich aber nie. Später kamen Beruf, viel Sitzen und irgendwann das Gefühl, dass körperlich etwas fehlt. Die ersten Laufversuche? Mühsam.

Ein paar Kilometer wurden irgendwann zehn. Aus zehn Kilometern wurde der erste Halbmarathon. Und genau dort passierte etwas. Jan stand im Ziel und beobachtete die anderen Läufer. Profis, Amateure, Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen. Trotzdem hatten sie etwas gemeinsam: Jeder hatte irgendwann diesen inneren Kampf geführt, weiterzumachen.

Für Jan war das der Moment, in dem Laufen mehr wurde als Bewegung. Es wurde Herausforderung, Ausgleich und Gemeinschaft. Und irgendwann führte genau dieser Weg zu zwölf Bergen im Fichtelgebirge.

„Oh Shit. Das wollen wir morgen alles laufen?“

Jan Stricker 12 Gipfel Tour
Jan Stricker 12 Gipfel Tour
Jan Stricker 12 Gipfel Tour

Die 12-Gipfel-Tour kannte Jan schon aus seiner Kindheit. Damals bedeutete Wandern allerdings etwas anderes: auf einen Gipfel laufen, oben einkehren und wieder zurück. 60 oder 70 Kilometer am Stück? Eher nicht.

Das änderte sich durch seinen Freund Christian Pecher. Der wollte einen Streckenrekord auf der 12-Gipfel-Tour aufstellen und die Route auf der Plattform Fastest Known Time etablieren. Jan und seine Freunde begleiteten ihn als Support-Team. Und plötzlich war diese Strecke nicht mehr nur irgendeine Wanderroute, deren Namen im Fichtelgebirge fast jeder schon einmal gehört hatte.

Sie wurde zur Herausforderung. „Ab dem Zeitpunkt war ich komplett fixiert auf das Thema.“ Wie groß diese Herausforderung tatsächlich ist, wurde Jan spätestens am Tag vor seiner eigenen Tour bewusst. Er fuhr mit dem Auto noch einmal durchs Fichtelgebirge, vorbei am Kornberg und weiter Richtung Schneeberg. Plötzlich sah er vor sich, wie weit diese Gipfel tatsächlich auseinanderliegen.

Sein Gedanke:

„Oh Shit. Das wollen wir morgen alles laufen?!“

Am nächsten Tag stand er irgendwann auf dem Schneeberg. Mehr als 30 Kilometer lagen bereits hinter ihm. Von dort oben konnte er zurückblicken auf das, was er an diesem Tag schon aus eigener Kraft überquert hatte. Und genau da wird aus einer Strecke plötzlich eine Geschichte.

Warum gerade das Fichtelgebirge?

Wer Trailrunning hört, denkt schnell an Alpen, spektakuläre Bergpässe und hochalpines Gelände. Jan sieht gerade darin einen Vorteil des Fichtelgebirges.

Die 12-Gipfel-Tour ist mit rund 60 bis 70 Kilometern und mehr als 2.000 Höhenmetern eine echte Herausforderung. Gleichzeitig braucht es keine Kletterausrüstung und keine alpinen Sicherungen.

Stattdessen warten Wald, Granit, Wurzeln, schmale Pfade und ständig wechselnde Landschaft. Besonders liebt Jan die Singletrails. Diese kleinen Wege über Waldboden, Steine und Wurzeln, die sich teilweise durch die Tour ziehen. Manchmal, sagt er, fühlt sich das an wie ein verwunschener Märchenwald. Vielleicht ist das auch eine ziemlich gute Beschreibung dafür, was Trailrunning im Fichtelgebirge ausmacht.

Nicht maximal spektakulär. Sondern überraschend.

Und welcher von den 12 Gipfeln ist jetzt der schlimmste?

Natürlich denkt man zuerst an den Schneeberg, mit 1.051 Metern der höchste Berg des Fichtelgebirges und zugleich der höchste Berg Frankens. Auch der Ochsenkopf kann ordentlich Kraft kosten.

Jan warnt aber vor einem anderen Kandidaten: der Kösseine.

Wer die Tour klassisch von Norden nach Süden läuft, hat zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 50 Kilometer in den Beinen. Und dann geht es noch einmal hoch. Wer anschließend denkt, das Gröbste sei geschafft, sollte sich besser noch ein paar Körner aufheben. Mit Haberstein und Burgstein warten weitere Anstiege. Und Aussichtsplattformen mit Treppen. Nach mehr als 50 Kilometern können ein paar Stufen plötzlich erstaunlich lang werden. Jans wichtigster Tipp für alle, die sich an die komplette 12-Gipfel-Tour wagen wollen, ist deshalb simpel: Nicht zu früh feiern. Kräfte einteilen. Und vor allem die Tour genießen.

Der schönste Gipfel? Für Jan überraschend eindeutig.

Wenn er sich für einen einzigen Gipfel entscheiden müsste, wäre es nicht Schneeberg, Ochsenkopf oder Kösseine. Es wäre der Nusshardt.

Der Aufstieg, die engen Felsformationen und schließlich der Blick über das Fichtelgebirge machen ihn für Jan zu einem der schönsten Punkte der gesamten Tour. Auch die Platte gehört zu seinen Lieblingsorten. Kurz auf den Granit setzen, durchschnaufen, Aussicht genießen. Weiterlaufen.

Vielleicht sind es genau diese Momente, die erklären, warum Jan nicht hauptsächlich über Zeiten und Bestleistungen spricht. Obwohl er Ultradistanzen läuft, bezeichnet er sich selbst als „Back-of-the-Pack“-Läufer. Für ihn findet die eigentliche Herausforderung ohnehin irgendwann im Kopf statt.

Wenn die Beine schwer werden, erinnert er sich daran, dass er gerade genau dort ist, wo er monatelang sein wollte. Draußen. Auf dem Trail.

Die 12-Gipfel-Tour digital entdecken

Wer jetzt wissen will, wo Nusshardt, Kösseine, Schneeberg und Co. eigentlich liegen oder welche Touren sich rund um die Gipfel entdecken lassen, landet ziemlich schnell bei einem weiteren Thema, mit dem Jan verbunden ist: der FichtelApp.

Sie bringt Touren, Ausflugsziele, Veranstaltungen und weitere Tipps fürs Fichtelgebirge digital zusammen und macht es damit leichter, die Region auf eigene Faust zu entdecken. Das passt erstaunlich gut zu Jan.

Denn obwohl er sich durch die Arbeit am FichtelUltra intensiv mit Karten, Streckenverläufen und einzelnen Anstiegen beschäftigt, sagt er selbst: Auf dem Bildschirm kann man eine Route irgendwann fast auswendig kennen. Draußen fühlt sie sich trotzdem komplett anders an. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Die FichtelApp kann dir zeigen, wo es langgeht. Erleben musst du das Fichtelgebirge immer noch selbst.

Aus einer verrückten Tour wird eine Community

Mit dem FichtelUltra geht Jan inzwischen noch einen Schritt weiter. Die Idee: die 12-Gipfel-Tour als Community-Trailrunning-Event gemeinsam erleben. Dass die Nachfrage da ist, hat selbst das Organisationsteam überrascht. Der Lauf am 17. Oktober 2026 war innerhalb weniger Stunden komplett ausgebucht. Für Jan geht es trotzdem nicht darum, aus der Tour das nächste Höher-schneller-weiter-Event zu machen. Es geht um Menschen. Um Trails. Um Natur.

Und um dieses ziemlich besondere Gefühl, gemeinsam etwas zu schaffen, das alleine vielleicht ein bisschen verrückt klingt. Genau das hat Jan auch bei seinen eigenen langen Läufen erlebt. Bei einer 12-stündigen Tour war er gemeinsam mit seinem Freund und FichtelUltra-Mitstreiter Christian Friedel unterwegs.

Zwölf Stunden laufen heißt irgendwann auch: zwölf Stunden reden. Über Dinge, für die im normalen Alltag oft überhaupt keine Zeit bleibt. Auch das gehört für Jan zum Trailrunning.

Also: Muss man wirklich alle 12 Gipfel machen?

Nein. Vielleicht ist das sogar die falsche Frage. Man kann mit einem anfangen. Mit dem Nusshardt. Mit dem Schneeberg. Mit einer kleinen Runde rund um den Ochsenkopf.

Oder man öffnet die FichtelApp, sucht sich eine Tour aus und schaut einfach mal, wo man landet. Und wer irgendwann doch alle zwölf Gipfel miteinander verbinden möchte, weiß zumindest, worauf er sich einlässt: Viele Kilometer. Ordentlich Höhenmeter. Irgendwann schwere Beine.

Aber eben auch Wald, Granit, Aussicht, ziemlich viel Zeit draußen und dieses Gefühl, zurückzublicken und zu denken: Da bin ich heute wirklich überall gewesen.

Für Jan ist das Fichtelgebirge inzwischen noch etwas anderes. Ein Ort, an dem er nicht nur läuft, sondern gestalten möchte. Oder wie er es selbst sagt:

„Das Fichtelgebirge ist für mich ein Raum, um mich und meine Ideen entfalten zu können.“

Vielleicht muss man dafür keine 60 Kilometer laufen.

Aber ein paar schaden offenbar auch nicht.

Wenn du jetzt Bock hast:
Route checken in der #fichtelapp, Leute schnappen und einfach machen.

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