Vom Feld in die Flasche – wie Familie Preuß ihre Ernte selbst in die Hand genommen hat

Was tun, wenn der Markt die eigene Arbeit nicht würdigt? Die Familie Preuß aus Marktredwitz hat für sich eine Antwort gefunden, die so naheliegend wie konsequent ist: selbst machen, besser machen. Den Freiraum zum Machen im Fichtelgebirge nutzen und dabei zeigen, was regionale Landwirtschaft wirklich kann.

Neue Wege mit einem traditionellen Konzept

Es gibt diesen Moment, in dem man merkt, dass es so nicht weitergehen kann. Für Marc Preuß war es die Erkenntnis, dass das, was auf seinen Feldern wächst – mit Sorgfalt, mit Arbeit, mit echtem Herzblut produziert – am Markt kaum zu fairen Preisen zu verkaufen ist. Das bekannte Dilemma auch der Landwirtschaft im Fichtelgebirge: Wer produziert, bestimmt selten den Preis. Für Marc Preuß war klar, dass sich daran nur etwas ändern lässt, wenn man die Dinge selbst in die Hand nimmt.

Statt Raps, Lein und Sonnenblumen als Rohware abzugeben und dabei das Preisdiktat des Marktes zu akzeptieren, investierte die Familie in die eigene Verarbeitung. Eine Ölmühle, eine Getreidemühle, eine Manufaktur – kein Umweg über den Zwischenhandel, kein Verwässern durch fremde Hände. Was auf den Feldern der Familie Preuß wächst, kommt als fertiges Produkt direkt zu denen, die es kaufen und schätzen. Wer es nicht online bestellen möchte, kommt einfach vorbei: Im liebevoll gestalteten Hofladen gibt es alles direkt – und das nette Gespräch beim Einkauf gibt es gratis dazu.

Qualität vor Quantität – und das ist kein Slogan

Die Ölmanufaktur Preuß in Marktredwitz verarbeitet ausschließlich, was auf den eigenen Flächen gewachsen ist. Kein Zukauf, kein Outsourcing, kein Kompromiss. Das Ergebnis sind kaltgepresste Öle aus Lein, Raps und Sonnenblumen – rein, direkt, nachvollziehbar. Dazu Mehl aus eigenem Dinkel und Weizen, ab Herbst auch Roggenmehl, und in nicht allzu ferner Zukunft eigene Haferflocken. Den Honig steuert Familienmitglied Thomas Müller bei. „Qualität vor Quantität – das muss das A und O sein“, sagt Marc. Nicht als Marketingphrase, sondern als Haltung, die sich durch jede einzelne Entscheidung zieht.

Drei Generationen, ein Hof, ein Ziel

Die Preuß sind keine klassische Fichtelgebirgs-Familie – zumindest nicht von Geburt an. Marc stammt aus Donaueschingen in Baden-Württemberg, und dass er heute im Fichtelgebirge lebt, wirtschaftet und seine Zukunft aufbaut, ist das Ergebnis einer bewussten Entscheidung für diesen einen Ort. Heute leben Marc, Katrin, Christoph und Jakob gemeinsam mit den Großeltern auf dem Hof – ein echtes Drei-Generationen-Haus. Gemeinsam stemmen sie Familie, Alltag und ihre persönliche Zukunft und ihren mutigen Aufbruch dahin.

„Freiraum bedeutet, sich gewissermaßen einfach auslassen zu können – sich ganz nach den eigenen Bedürfnissen entwickeln zu können“, sagt Marc. Und ergänzt mit einem Lächeln: „Das funktioniert halt nur im Fichtelgebirge.“ Hier habe er die besten Voraussetzungen mit dem gemeinsamen Weg erfolgreich zu sein.

Ein Lieblingsplatz mit Symbolcharakter

Ein echtes Fichtelgebirgsgefühl kommt bei ihm auf, wenn er oben am Greenpark steht und auf Marktredwitz schaut: „Von dort sehen wir den Großteil unserer landwirtschaftlichen Flächen“, sagt Marc. Dort oben genieße er mit seiner Familie auch deshalb jeden Moment.

Die Ölmanufaktur Preuß schließt den Kreislauf zwischen Feld und Küche. Sie gibt dem, was hier wächst, einen Namen, eine Philosophie und einen fairen Preis. Sie zeigt, dass Direktvermarktung nicht einfach ein Geschäftsmodell ist, sondern eine Haltung. Eine, die im Fichtelgebirge den Freiraum hat zu wachsen.