Energie neu gedacht: Was hinter dem Projekt E-WiRa im Landkreis Wunsiedel steckt

Wie kann eine Region ihre eigene Energie sinnvoll nutzen, statt sie einfach „wegzuschicken“?
Genau hier setzt das Projekt E-WiRa an. Hinter dem etwas sperrigen Namen „Energie-WirtschaftsRaum grenzenlos“ verbirgt sich eine klare Idee:
Mehr Wertschöpfung vor Ort, mehr Zusammenarbeit über Grenzen hinweg und neue Lösungen für die Zukunft des ländlichen Raums.

E-WiRa
Alexander Popp und Marco Kellner

Die Ausgangslage: Viel Strom & Know-how, noch zu wenig Nutzung vor Ort

Der Landkreis Wunsiedel produziert heute bereits mehr Strom aus erneuerbaren Energien, als er selbst verbraucht. Klingt erstmal gut. Hat aber einen Haken: Ein Großteil dieser Energie fließt einfach aus der Region ab.

Die zentrale Frage von E-WiRa lautet deshalb:
Wie kann dieser Strom hier vor Ort sinnvoll genutzt werden, um Arbeitsplätze, Innovation und Lebensqualität zu stärken?

E-WiRa im Überblick: Vier Bausteine für die Region

Das Projekt besteht aus mehreren miteinander verzahnten Bausteinen. Jeder für sich spannend. Zusammen ein echter Hebel für die Region.

Das Know-how des „Wunsiedler Wegs der Energiewende“ monetär in Wert setzen

Das ist der zentrale Kern des Projektes: wie kann all dieses – erneuerbare Energien, jahrelange Arbeit und Erfahrungen, der Energiepark Wunsiedel, der Wasserstoff, das Know-how der Menschen, die all das konzipiert haben – in

  • mehr Wertschöpfung,
  • innovative Gründungen,
  • zuziehende Unternehmen und
  • neue Geschäftsmodelle

transformiert werden.

Der Wunsiedler Weg als Blaupause für regionales Wirtschaftswachstum und mehr Wertschöpfung.

Energie vor Ort nutzen statt exportieren

Ein wichtiger Teil von E-WiRa kümmert sich um die Infrastruktur für Strom und Energieverteilung.

Ziel ist:

  • Strom besser in der Region verteilen
  • Speicherlösungen ausbauen
  • Erneuerbare Energie auch Richtung Tschechien nutzbar machen

So wird aus „zu viel Strom“ ein echter Standortvorteil für Unternehmen.

Aus Strom werden Rohstoffe: Die Idee der „Molekülwirtschaft“

Hier wird es besonders innovativ: E-WiRa denkt Energie nicht nur als Strom, sondern auch als Ausgangsstoff für industrielle Prozesse.

Im geplanten „Kooperations-Zentrum für Thermische Kreislaufwirtschaft“ (KTW) soll:

  • Abfall wie Kunststoff oder Altholz verarbeitet werden
  • daraus ein sogenanntes „Plattformgas“ entstehen
  • dieses Gas weiterveredelt werden, z. B. zu Methanol

Warum ist das spannend?
Weil viele Industrien genau solche Stoffe brauchen. Statt sie zu importieren, könnten sie künftig regional produziert werden.

Das stärkt die Wirtschaft und macht unabhängiger.

Neue Wege der Zusammenarbeit

E-WiRa setzt nicht nur auf Technik, sondern auch auf neue Strukturen. Zwei Ansätze sind dabei besonders wichtig:

  • Innovationsstiftung: unterstützt neue Ideen und Projekte in der Region, hilft dort, wo klassische Förderprogramme nicht greifen und bringt Unternehmen, Kommunen und kreative Köpfe zusammen
  • Grenzüberschreitende Kooperation, z.B. per EWIF – Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung – ihr Zweck ist die Erleichterung und Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten: so stärkt man die Zusammenarbeit mit Tschechien, erleichtert gemeinsame Projekte und Aufträge und bringt Know-how aus der Region auch ins (benachbarte) Ausland

Ziel ist eine Region, die offen denkt und gemeinsam handelt – über Grenzen hinweg.

Was macht E-WiRa besonders?

E-WiRa ist kein einzelnes Projekt, sondern ein Gesamtkonzept für die Zukunft der Region.

Das Besondere: Energie wird nicht nur produziert, sondern gezielt genutzt. Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft werden zusammen gedacht, dieStadtentwicklung, Industrie und Innovation greifen ineinander und die Region positioniert sich als Vorreiter der Energiewende im ländlichen Raum.

Wo steht das Projekt aktuell?

Viele Bausteine sind bereits angestoßen. Erste Förderanträge sind gestellt, die Partner und Investoren sind im Gespräch, konkrete Projekte werden Schritt für Schritt umgesetzt.

Klar ist der Weg ambitioniert – aber die Richtung ist der Weg die Zukunft.

Energie als Chance für die ganze Region

E-WiRa zeigt, was möglich ist, wenn eine Region ihre Stärken konsequent nutzt.

Aus „Stromüberschuss“ und Know-how wird eine echte Zukunftschance. Für die Menschen vor Ort bedeutet das: neue Arbeitsplätze, innovative Wohnformen, mehr Lebensqualität und eine Region, die aktiv ihre Zukunft gestaltet. E-WiRa macht demnach aus Energie Wertschöpfung – und aus Ideen konkrete Perspektiven.

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