Das UBT Future Energy Lab in Wunsiedel – wie die Energiewende vor Ort Wirklichkeit wird
Wie kann die Energieversorgung der Zukunft aussehen – und was bedeutet das konkret für unsere Region, das Fichtelgebirge? Antworten auf diese Fragen geben spannende Einblicke aus einem Interview mit dem Geschäftsführer des UBT Future Energy Lab Wunsiedel (kurz FEL), Prof. Dr.-Ing. Dieter Brüggemann, und der Koordinatorin und Teamleiterin Frau Dr.-Ing. Theresa Weith. Sie zeigen, wie in Wunsiedel bereits heute an Lösungen gearbeitet wird, die unsere Energiezukunft nachhaltig verändern können.

Ein Labor für die Energie von morgen
Das FEL in Wunsiedel ist mehr als nur ein Forschungsprojekt. Es ist eine noch junge, aber äußerst ambitionierte Einrichtung mit einem klaren Ziel: Energieforschung nicht nur theoretisch zu betreiben, sondern die Ergebnisse schnell in die Wirklichkeit zu bringen. Das heißt, neue Ideen nicht nur zu entwickeln, sondern direkt in der Praxis zu testen. Im Mittelpunkt steht dabei ein ganzheitlicher Ansatz: Strom, Wärme und Wasserstoff sollen intelligent miteinander verbunden werden. Besonders wichtig ist dabei das Thema Wasserstoff. In Wunsiedel gibt es bereits einen großen Elektrolyseur, der zeigt, wie erneuerbare Energie in die speicherbare und vielseitig nutzbare Form des Wasserstoffs umgewandelt werden kann. Ziel des FEL ist es, nachhaltige und klimafreundliche Energiesysteme zu entwickeln, die sowohl heute funktionieren als auch morgen noch Bestand haben.
Von der Idee zur festen Einrichtung
Das Future Energy Lab entstand aus einer erfolgreichen Zusammenarbeit: Die Universität Bayreuth (UBT) und die Stadtwerke Wunsiedel (SWW) haben über Jahre hinweg gemeinsam an Energieprojekten in der Stadt Wunsiedel mitgewirkt. Besonders das von der Oberfrankenstiftung geförderte „ZET-Reallabor Energiezukunft Wunsiedel“ war ein wichtiger Meilenstein. Aus diesen Projekten entstand der Wunsch, etwas Dauerhaftes aufzubauen, statt immer wieder neue, zeitlich begrenzte Projekte zu starten. So wurde 2023 das UBT Future Energy Lab Wunsiedel als eigenständige GmbH von UBT und SWW gegründet.



Das Ziel: langfristig forschen, entwickeln und die Region nachhaltig stärken.
Starke Partner aus verschiedenen Bereichen
Die beteiligten Partner ergänzen sich hier hervorragend. Die Universität Bayreuth bringt das notwendige, wissenschaftliche Know-how ein, die SWW liefert die praktische Erfahrung, die realen Energie-Daten und betreibt die Anlagen. Dazu kommen noch regionale Unternehmen aus den verschiedensten Branchen, die ihre eigenen Anforderungen und Ideen mit einbringen.
Das FEL versteht sich dabei als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen, Politik und Gesellschaft. Neben angewandter Forschung und Entwicklung gehören auch Beratung, Weiterbildung und Studien zur Energiezukunft zu seinen Aufgaben.
Warum Wunsiedel eine besondere Rolle spielt

Wunsiedel ist als Standort kein Zufall. Die Stadt gilt seit rund 25 Jahren als Vorreiter in der Energiewende. Mit dem sogenannten „Wunsiedler Weg“ wurde früh begonnen, auf erneuerbare Energien zu setzen und unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden. Heute gibt es dort eine beeindruckende Infrastruktur, vor allem den Energiepark Wunsiedel. Hier können neue Technologien unter realen Bedingungen getestet werden. Gleichzeitig ist die Akzeptanz in der Bevölkerung hoch – ein entscheidender Faktor, denn die Energiewende funktioniert nur gemeinsam, wie Frau Dr. Weith hervorhebt.
Was das UBT Future Energy Lab Wunsiedel besonders macht
Ein großer Unterschied zu vielen anderen Projekten: Das FEL ist auf Dauer angelegt. Es wurde als eigenständige GmbH gegründet und soll langfristig wirtschaftlich arbeiten. Es baut auf einer Förderung vom Freistaat Bayern auf und ergänzt diese zunehmend durch eigenständig generierte Mittel und Fördergelder aus öffentlichen Programmen sowie generiert durch Aufträge von Unternehmen.
Besonders spannend ist die direkte Verbindung von Theorie und Praxis. Neue Technologien können sofort im Energiepark getestet werden – unter Echtbedingungen im aktiven Energiesystem. Geschäftsführer Prof. Dr.-Ing. Dieter Brüggemann beschreibt das anschaulich auch als „Operation am offenen Herzen“ – also Forschung unter echten Bedingungen, ohne den Energiefluss zu unterbrechen.
Außerdem arbeitet das FEL technologieoffen. Es setzt nicht auf eine einzelne Lösung, sondern entwickelt komplette Energiesysteme. Dabei kommen auch moderne Ansätze wie künstliche Intelligenz zum Einsatz.
Ein Blick nach vorne
Für die Zukunft ist bereits einiges geplant: Im Energiepark sollen neue Testflächen entstehen, auf denen Unternehmen und Forschungseinrichtungen ihre Technologien im großen Maßstab erproben können. Insgesamt sind sechs solcher Testplätze vorgesehen.
Das Besondere daran: Die Tests finden unter realen Bedingungen statt – mit echten Energieflüssen wie Strom, Wärme und Wasserstoff. Das FEL stellt dabei nicht nur die Infrastruktur, sondern auch Unterstützung durch Fachpersonal bereit. Interessierte können sich somit individuell ein komplettes „Testpaket“ zusammenstellen. Solche Möglichkeiten sind in Deutschland bislang selten.
Die Fertigstellung ist für 2027 geplant, erste Tests könnten kurz darauf starten.
Ein Vorbild für andere Regionen
Das UBT Future Energy Lab in Wunsiedel zeigt, wie Energiewende konkret funktionieren kann: praxisnah, gut vernetzt und mit Blick in die Zukunft. Die Region bringt dafür ideale Voraussetzungen mit – Erfahrung, Infrastruktur und die Unterstützung der Menschen vor Ort. Und umgekehrt wird das FEL die Region noch attraktiver machen und neue Impulse setzen, die auch junge Menschen in unsere Region ziehen.
Damit wird Wunsiedel erneut zu einem echten Vorbild. Die Erkenntnisse aus dem FEL könnten künftig auch anderen Städten und Regionen helfen, ihren eigenen Weg in eine nachhaltige Energiezukunft zu finden.


