Angekommen – Thomas Laubscher und sein Freiraum im Fichtelgebirge

Er hätte Bänker werden sollen. Stattdessen wurde er ein engagierter Steinmetz in seiner Zukunft. Seit 2023 hat Thomas Laubscher seinen Freiraum gefunden – mitten im Fichtelgebirge.

Florenz, 1987. Ein 14-jähriger Junge sitzt erschöpft auf einer Kirchenbank in der Basilika San Miniato. Seine Großmutter, eine leidenschaftliche Kunsthistorikerin, hat ihn den ganzen Tag durch die Museen der Stadt geführt. Draußen brütet die toskanische Hitze. Drinnen ist es still. Und dann passiert etwas, das sein Leben für immer verändern wird. Er denkt sich: So eine Kirche willst du auch einmal bauen. Aus diesem Moment wurde eine Berufung.

Der Stein ruft – und Thomas hört hin

Zurück in der Schweiz trifft Thomas Laubscher eine Entscheidung, die seine Familie überrascht: Er schlägt die vorgezeichnete Karriere als Banker in den Wind. Stattdessen beginnt er eine Ausbildung zum Steinmetz. Was viele für einen Umweg hielten, entpuppte sich als direkter Weg zum Kern seiner Leidenschaft. Was folgt, ist ein Weg, der ihn hinaus in die Welt und immer näher an sein Handwerk bringt. Vom Lehrling zum Gesellen, vom Gesellen zum Meister, vom Meister zum Restaurator, vom Restaurator zum stellvertretenden Münsterbaumeister am weltberühmten Freiburger Münster. Prägend war dabei bereits seine Ausbildungszeit: In den Sommermonaten arbeitete er mit seinem Lehrmeister in der archäologischen Ausgrabungsstätte von Ephesos in der Türkei und kam dort erstmals intensiv mit der Denkmalpflege in Berührung. Dass ausgerechnet diese Region, die ihn früh fachlich formte, heute mit der Partnerregion Torbalı – angrenzend an Ephesos und verbunden mit Wunsiedel – wieder in sein Leben tritt, war damals nicht absehbar. Umso mehr zeigt sich darin, wie sich Kreise schließen können: Der Anfang wirkt im Ziel fort, und aus einzelnen Stationen wird eine bleibende Verbindung.

Wunsiedel – die erste Adresse weltweit

Wenn es um das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk geht, führt kein Weg an Wunsiedel vorbei. Wunsiedel steht bundesweit und auch international für Kompetenz in Naturstein. Auch Laubscher verbringt einen Teil seiner Ausbildungszeit im Fichtelgebirge. Denn das Europäische Fortbildungszentrum für das Steimetz- und Steinbildhauerhandwerk (EFBZ), die staatliche Fachschule für Steintechnik und das weltweit größte Natursteinarchiv sind hier zu Hause. 2023 schließt sich ein Kreis – Laubscher wird Geschäftsleiter des EFBZ: „Als ich erfuhr, dass die Stelle des Leiters frei ist, habe ich mich sofort beworben.“

Freiraum für Handwerk, Wissen und Weltniveau

Was Thomas Laubscher im Fichtelgebirge gefunden hat, ist mehr als ein Job. Es ist der Freiraum, sein Handwerk auf höchstem Niveau zu leben, internationale Kontakte zu pflegen und gleichzeitig in einer Region zu arbeiten, die selbst Geschichte in Stein gemeißelt hat. Eine Region, die seinen Ansprüchen nicht nur gerecht wird – sondern ihnen Raum gibt zu wachsen. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Thomas Laubscher ausgerechnet im Fichtelgebirge angekommen ist. Eine Region, die wie er selbst nie laut sein muss, um zu überzeugen. Die ihre Qualität in dem zeigt, was sie tut – nicht in dem, was sie verspricht.

Ein Leuchtturm (auch) aus Stein

Gemeinsam mit zahlreichen Akteuren aus Stadt und Landkreis arbeitet Laubscher an der konsequenten Weiterentwicklung des Standorts: dem Campus Steinzentrum Wunsiedel. Ein neues Schülerwohnheim soll entstehen – ein deutschlandweites Pilotprojekt für nachhaltiges Bauen mit regionalem Naturstein. Wegweisend für eine ganze Branche. Mit dem Bau des Schülerwohnheims am Campus Steinzentrum Wunsiedel wollen wir beweisen, dass die Zukunft des Bauens mit Stein nachhaltig, regional und innovativ ist, sagt er.

Vertrauensbeweis: Jetzt auch Geschäftsführer

Wer gute Arbeit leistet, dem wird mehr Verantwortung übertragen. Dieses Prinzip gilt auch für Thomas Laubscher. Zum 1. April 2026 hat er beim EFBZ nicht nur die Geschäftsleitung, sondern auch die Geschäftsführung übernommen – eine Aufgabe, die bislang beim Landratsamt angesiedelt war. Ein klares Signal des Vertrauens an einen Mann, der das EFBZ mit Leidenschaft, Kompetenz und internationalem Weitblick voranbringt.

Ausbildung, die bleibt – und Neugier, die weiterführt

Für Thomas Laubscher ist Ausbildung weit mehr als ein Einstieg ins Berufsleben. Sie ist das Fundament eines Handwerks, das über Generationen hinweg Bestand hat. Wer mit Stein arbeitet, arbeitet immer auch mit Geschichte – und trägt gleichzeitig Verantwortung für die Zukunft. Dieses Bewusstsein prägt sein Verständnis von Ausbildung bis heute.

Thomas Laubscher EFBZ in der Ausbildung

Am EFBZ geht es ihm nicht nur darum, Wissen zu vermitteln, sondern Begeisterung zu wecken. Junge Menschen für ein Handwerk zu gewinnen, das Präzision, Geduld und Leidenschaft verlangt – und ihnen gleichzeitig zu zeigen, welche Perspektiven sich daraus eröffnen können.

Doch Lernen endet für ihn nicht mit dem Gesellenbrief. Fort- und Weiterbildung sind für Laubscher zentrale Bausteine, um Qualität zu sichern und Entwicklung möglich zu machen. Gerade in einem traditionsreichen Handwerk sieht er darin keinen Widerspruch, sondern eine Notwendigkeit: „Wer stehen bleibt, verliert den Anschluss – auch im Handwerk.“

Deshalb gehört für ihn auch die berufliche Neugier zum Selbstverständnis. Neue Techniken, Materialien und Entwicklungen im Bauwesen zu erkennen, einzuordnen und weiterzugeben – an Auszubildende ebenso wie an erfahrene Steinfachleute. Das Steinzentrum versteht er dabei als Ort des Austauschs, an dem Wissen nicht nur bewahrt, sondern aktiv weiterentwickelt wird.

So entsteht etwas, das über den einzelnen hinausgeht: ein Netzwerk aus Können, Erfahrung und Offenheit. Und genau darin liegt für Thomas Laubscher die Zukunft des Handwerks.

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