Kündigen, Weltreise, Neustart – und dann bewusst zurück ins Fichtelgebirge: Julian Röder

Es gibt diese Lebensphasen, in denen man nicht einfach den nächsten Karriereschritt plant, sondern alles auf Null setzt. Julian Röder hat genau das gemacht. Job gekündigt. Wohnung aufgegeben. Sechs Monate Neuseeland und Australien. Sabbatical statt Sicherheitsdenken. Und danach? Kein Zurück ins alte Leben in München. Sondern ein klarer Cut – und ein Neustart im Fichtelgebirge.

Nicht aus Zufall. Sondern aus Überzeugung.

Julian Röder ESM

Die Rückkehr war kein Rückschritt, sondern ein Plan

Vor dem Sabbatical arbeitete Julian als Entwicklungsingenieur bei einem Solarzellenhersteller. Technologisch anspruchsvoll, inhaltlich genau sein Feld: erneuerbare Energien. München lief. Karriere lief.

Trotzdem stand eine größere Frage im Raum: Wo wollen wir eigentlich langfristig leben? Mit dem Sabbatical kam die Gelegenheit, neu zu denken. Und wenn schon Neustart, dann richtig. Julian kündigte bewusst. Parallel stellte seine Frau einen Versetzungsantrag. Die Rückkehr war also kein romantischer Impuls, sondern eine strategische Entscheidung mit Vorlauf.

Größere Wohnung. Perspektivisch Eigenheim. Familie in der Nähe. Und die Erkenntnis: Wenn wir es irgendwann machen wollen, dann jetzt. Heute besitzen die beiden bereits ein eigenes Haus im Fichtelgebirge.

Was gefehlt hat? Raum. Ruhe. Echtheit.

München hatte viel zu bieten. Isar. Berge. Urbanes Umfeld. Aber Nähe zur Natur ist nicht automatisch Lebensqualität. „Die entspannte, entschleunigende Atmosphäre hier im Fichtelgebirge ist einfach eine andere“, sagt Julian. Gerade während Corona wurde deutlich, wie stark das Umfeld das eigene Lebensgefühl prägt. Dazu kam: Freunde zogen zurück. Beide Familien leben hier. Das soziale Fundament war längst wieder im Fichtelgebirge verankert. Spätestens mit der Hochzeit 2024 auf der Katharinenberg-Ruine war klar: Der Lebensmittelpunkt ist endgültig verschoben.

Oder, wie er es selbst sagt:
„Dahoam is a schee.“

Energie nicht nur entwickeln, sondern regional gestalten

Julian wollte weiterhin im Bereich erneuerbare Energien arbeiten. Nicht irgendwo. Sondern mit realem Einfluss.

Heute ist er Projektmanager im neu gegründeten Geschäftsbereich „Innovative Energielösungen und Erneuerbare Energien“ bei der ESM Selb – Energieversorgung Selb-Marktredwitz GmbH.

Sein Fokus:
• Projekte im Bereich erneuerbare Energien
• innovative Energiedienstleistungen
• nachhaltige Weiterentwicklung der regionalen Versorgung

Ursprünglich war eine andere Stelle ausgeschrieben. Doch die Geschäftsführung hatte bereits die Vision eines neuen Bereichs – und sah in Julian die passende Verstärkung für genau diesen Aufbau. Das Ergebnis: Statt in bestehenden Strukturen zu funktionieren, gestaltet er heute aktiv neue. „Die Energiebranche gibt mir die Möglichkeit, die Versorgung lokal nachhaltiger zu beeinflussen.“ Das war die klare Leitlinie bei seiner Jobsuche. Und genau diese Haltung teilt auch das Unternehmen.

Aufbau statt Komfortzone

Was Julian an der ESM besonders schätzt, ist nicht nur das Thema – sondern das Umfeld. Ein Unternehmen im Wandel. Zukunftsorientiert. Regional verwurzelt. Mit echter Verantwortung für die Region. Und vor allem: die Chance, gemeinsam mit dem Bereichsleiter Felix Langnau einen Geschäftsbereich mit aufzubauen. Diese Phase ist anspruchsvoll. Sie verlangt Struktur, strategisches Denken und Durchhaltevermögen. Aber genau das macht für ihn den Reiz aus. Mittlerweile ist das Team deutlich gewachsen. Aus einer Idee wird operative Realität.

Leben, das zur Lebensphase passt

Die Entscheidung für das Fichtelgebirge war nicht nostalgisch. Sie war realistisch. Sesshaft werden. Eigenheim. Perspektivisch ein Hund. Nähe zur Familie. Kurze Wege. Und ein Umfeld, das sich weiterentwickelt. „Seit meinem Wegzug 2018 ist hier viel passiert. Vieles habe ich erst richtig wahrgenommen, als ich wieder da war.“ Veranstaltungen, neue Impulse, wirtschaftliche Bewegung – das Fichtelgebirge ist längst nicht mehr nur Rückzugsort. Es ist Gestaltungsraum.“

Julian macht es sich einfach: „Es lohnt sich. Für viele Bedenken gibt es hier ein Gegenargument.“ Kein Schönreden. Kein Idealbild. Sondern eine nüchterne Einschätzung aus eigener Erfahrung.

Wenn er abschalten will, zieht es ihn auf die Kösseine. Oder zur Luisenburg – mindestens einmal im Jahr zu den Festspielen. Dort hat er übrigens auch seine heutige Frau zum ersten Mal wahrgenommen. Manchmal beginnt Zukunft genau an den Orten, die man nie ganz verlassen hat.

Julian Röder ESM Kösseine

Julian Röder auf dem Kösseinegipfel