Grenzen überwinden, Menschen verbinden: EgroNet mit dem Fahrgastpreis 2026 ausgezeichnet
Es ist eine Geschichte, die in den 1990er-Jahren beginnt – kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, in einer Region, die jahrzehntelang durch eine der härtesten Grenzen Europas geteilt war. Die Idee war so simpel wie naheliegend: das Vierländereck Bayern, Sachsen, Thüringen und Böhmen im Alltag zusammenzubringen. Mit dem Zug, mit dem Bus und mit einem einzigen Ticket. Das Ergebnis heißt EgroNet, funktioniert schon seit über 25 Jahren und hat jetzt eine renommierte Auszeichnung erhalten.
Beim Bundesverbandstag des Fahrgastverbands PRO BAHN e. V. im Hofer Hauptbahnhof wurde die aktuelle Kooperation zwischen Euregio Egrensis und EgroNet mit dem begehrten Fahrgastpreis 2026 geehrt – einer der wichtigsten Auszeichnungen im deutschen Öffentlichen Personennahverkehr. Die Jury würdigt damit den Aufbau und die beständige Weiterentwicklung eines grenzüberschreitenden Nahverkehrssystems, das in Europa seinesgleichen sucht.
Den Preis entgegengenommen hat Anna Šulcová, Geschäftsführerin des EgroNet und Interreg-Projektleiterin: „Diese Auszeichnung ist eine wunderbare Anerkennung für alle, die über viele Jahre hinweg daran gearbeitet haben, aus einer geteilten Region eine verbundene zu machen. Sie gehört den vielen Menschen – in den Verkehrsunternehmen, in den Kommunen und in der Verwaltung –, die täglich dafür sorgen, dass das EgroNet funktioniert und wächst.“
Was sich selbstverständlich anhört, ist das Ergebnis jahrelanger, hartnäckiger Arbeit. Denn grenzüberschreitender Nahverkehr bedeutet: unterschiedliche nationale Gesetze, verschiedene Sprachen, eigene Unternehmensinteressen und immer wieder neue politische Hürden. Das EgroNet hat all das überwunden – Schritt für Schritt, seit den 1990er-Jahren. Täglich bringt es Menschen über Staatsgrenzen hinweg zusammen – zur Arbeit, zur Schule, zu Freunden und Familie. Die Auszeichnung durch PRO BAHN macht deutlich: Was hier entstanden ist, verdient Anerkennung – und vor allem Nachahmung. Die Jury betonte die Vorbildfunktion des EgroNet als eines der bemerkenswertesten grenzüberschreitenden Nahverkehrsangebote Europas.
Landrat Peter Berek, Vorsitzender des EgroNet-Kooperationsverbundes und Präsident der Euregio Egrensis: „Das Egronet ist für mich mehr als ein Ticketsystem. Es ist vielmehr Bekenntnis zu einem nachbarschaftlichen Miteinander mit Tschechien und Sachsen/Thüringen, für welches eben auch die Mobilität eine zentrale und verbindende Rolle spielt.
Neben dem EgroNet wurden beim Bundesverbandstag drei weitere Preisträger geehrt: Das Sächsisch-Bayerische Städtenetz erhielt ebenfalls einen Bundespreis für sein langjähriges Engagement für die Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale. Einen weiteren Bundespreis gewann der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudiš.
Hintergrund:
Das EgroNet ist ein grenzüberschreitendes Nahverkehrssystem im Vierländereck Bayern, Sachsen, Thüringen und Böhmen. Es verbindet über 50 Verkehrsunternehmen mit mehr als 700 Linien unter einem gemeinsamen Tarif. Seine Geschäftsstelle sitzt im Landratsamt Wunsiedel i. Fichtelgebirge. Weitere Informationen: www.egronet.de
