fichtelstationen: Mobile Nahversorgung durch zentrale Orte im ländlichen Raum

Sonntagmorgen, 8:53 Uhr: der erste Gang des Tages führt auf direktem Wege zum Kühlschrank. Jetzt ein Frühstücksei zum Kaffee, dann kann der Tag starten. Doch – gähnende Leere. Kein Ei mehr da und auch der Blick in die Kaffeedose hebt die Stimmung nicht. Zu allem Überfluss melden sich die lieben Verwandten für den Nachmittag spontan zu Kaffee und Kuchen an. Was nun? Der Supermarkt hat geschlossen und weit und breit niemand in Sicht, der helfen kann. Doch das muss nicht sein. Eine kurze Rad-, Bus- oder Autofahrt entfernt naht Rettung. In großen Lettern steht dort: „fichtelstation“.

Die fichtelstation ist ein neues Angebot im Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge und gestern in einer Fachveranstaltung zahlreichen Vertretern der Kommunen vorgestellt worden. Sie verbindet die Themen soziale Teilhabe und Mobilität gebündelt an einem Ort. In sechs Modellkommunen (Wunsiedel, Marktredwitz, Arzberg, Thiersheim, Thierstein und Höchstädt) entstehen unterschiedlich große Stationen, die aus einem vorab erarbeiteten Baukastensystem für die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Standortes zusammengestellt wurden. Sie entstehen an Orten, die sehr gut an den Öffentlichen Personennahverkehr angebunden, beispielsweise dem örtlichen Busbahnhof. Je nach Größe und Ausstattungsumfang der Station findet sich hier neben einem digitalen Informationsangebot, das auf den sogenannten fichtelstelen sämtliche relevanten Informationen über das Fichtelgebirge zusammenfasst, auch Mobilitätsangebote wie der direkte Zugang zum Bus, Fahrradabstell- und -lademöglichkeiten sowie Fahrradreparaturstationen. Darüber hinaus gibt Verkaufsautomaten, in denen regionale und saisonale Produkte des täglichen Bedarfs bezogen werden können. Brot, Milch, Eier, Butter, Kaffee und vieles mehr können auf diese Weise auch außerhalb der üblichen Geschäftsöffnungszeiten sowie an Sonn- und Feiertagen erworben werden.

Die fichtelstationen sind Teil des vom Bund geförderten Modellvorhabens „Teilhabe überall“ der Förderinitiative Aktive Regionalentwicklung, das im Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge von Januar 2022 bis Juni 2024 bearbeitet wurde. Es wird durch den Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge koordiniert und gemeinsam mit den Verbundpartnern der Modellkommunen realisiert. Als ländlicher Landkreis, der vor der Herausforderung einer zunehmend älteren und damit teils mobilitätseingeschränkten Bevölkerung steht, sollen die zentral in Siedlungsgebieten gebauten fichtelstationen eine mobile Nahversorgung ermöglichen. Auch an die Aufenthaltsqualität durch Witterungschutzelemente und Freizeitangebote wie ein Outdoor-Schachtisch und ein Minisoccerfeld wurde gedacht. Ergänzt wird die fichtelstation teils sogar mit einer dhl-Packstation. Damit können sich die fichtelstationen zu einem sozialen Treffpunkt entwickeln.

Das Praktische an den fichtelstationen: Sie sind modular aufgebaut. Das bedeutet, der Ausstattungsumfang ist nicht abgeschlossen, sondern kann nach Bedarf erweitert werden, sofern es das Platzangebot hergibt. Im ersten Schritt werden sechs fichtelstationen in den genannten Modellkommunen baulich umgesetzt, die dann zunächst erprobt werden. Welche Ausstattungselemente bewähren sich? Wie werden die Angebote angenommen? Sind sinnvolle Ergänzungen notwendig? All dies wird in der Erprobungsphase geprüft, um das Konzept anschließend möglicherweise auch für andere Städte und Gemeinden im Landkreis zu adaptieren. Langfristig – und dies ist bereits im erarbeiteten Handbuch für Teilhabestationen im Rahmen des Projektes ein zentrales Thema – ist auch ein Ausrollen des Konzepts auf die Europäische Metropolregion Nürnberg denkbar.

„Das Vorhaben „Teilhabe überall“ wird innerhalb des Programms Region gestalten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung gefördert“.

Bildunterschrift für Foto „Arzberg“:

Bei der fichtelstation in Arzberg werden aktuell gerade noch die letzten Elemente installiert